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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Interview mit Peter Lustig: "Wir haben alle mal gekifft"



Mr.XaXa
27.09.2008, 13:01
Nach 26 Jahren hat Peter Lustig 2005 seinen Hut bei der Kindersendung Löwenzahn genommen. Mit Cicero spricht er über Fernsehen, Erziehung und die Tiefsinnigkeit von Pooh, dem Bären.

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Latzhose, Bauwagen, basteln. Man denkt: „Der Peter Lustig ist ein ganz aktiver Grüner.“ Aber stimmt das auch?
Das sind Klischees, weil „Löwenzahn“ ein wenig ökologisch ausgerichtet war und die Leute dachten: „Hm, das ist ein Müsli.“ Blödsinn. Einmal saß ich im Lokal, habe ein Steak bestellt, da kam es vom Nebentisch: „Herr Lustig! Das hätte ich nicht von Ihnen gedacht.“

Was tun Sie dann für den Umweltschutz?
Ich verwende Sparlampen und fahre einen Smart. Wenn das nichts ist.

Nachdem Sie sich mit so vielen Erfindungen beschäftigt haben, welche ist die wichtigste der Menschheitsgeschichte?
Na, das Rad. Das Fernsehen auf jeden Fall nicht. Ich sehe nicht viel fern.

Würden Sie auf den Fernseher verzichten wollen?
Nein, aber ich sehe nicht besonders viel fern. Und auch zunehmend missmutiger. Ich sehe mit Bedauern, dass die Fernsehkultur ein bisschen baden geht. Der Niveauverfall bei den Öffentlich-Rechtlichen ist furchtbar.

Auch die neuen „Löwenzahn“-Folgen gucken Sie nicht?
Nein. Sonst kriege ich noch Heimweh nach meinem Bauwagen.

Für ganze Generationen waren Sie ein Vorbild. War das je eine Belastung für Sie?
Ja. Denn ich gehe gerne mal bei Rot über die Ampel – wenn kein Auto kommt. Ich würde auch gerne mal in der Nase bohren, aber das geht nicht, weil alle dann sagen: Der Lustig bohrt sich in der Nase.

Sie unterschreiben Autogrammkarten auch mal mit „Saddam Lustig“…
(lacht) Ich mache das nur für das ZDF, damit sich die Redakteure nicht langweilen. Dann müssen die den ganzen Stapel Autogrammkarten, den sie von mir unterschrieben bekommen haben, ganz genau durchsehen, ob sich nicht so ein „Fehldruck“ eingeschlichen hat.

Was haben Sie denen denn noch so reingemischt?
Och, weiß der Teufel. Alles. Von Rasputin über Stalin bis Lumumba.

Sie unterhalten sich im Geiste angeblich auch mit Goethe. Wie sieht so ein Dialog aus?
Goethe hilft mir sehr, wenn ich überlege, wie ich etwas erklären soll. Wenn ich Auto fahre und mir langweilig ist, stelle ich mir vor, dass Goethe neben mir sitzt. Dann sitzt er da, der Geheimrat, und fragt die unmöglichsten Sachen. „Da kommt aus einem kleinen Kästchen Musik heraus und, überhaupt, die Kutsche fährt ohne Pferde! Wie geht das? Erkläre er es mir!“ Das war meine Übung während der ganzen Zeit von „Löwenzahn“.

Wer waren Ihre Vorbilder?
Begnadete Bastler wie Leonardo da Vinci. Und Pooh, der Bär.

Pooh, der Bär?
Haben Sie das Buch gelesen?

Mit zwölf Jahren vielleicht.
An Ihrer Stelle würde ich es noch mal lesen. Dann weiß man mehr. Denn Pooh ist ein Taoist. Der ist ein ziemlich erleuchtetes Vieh. Im Grunde sollte man dahin kommen zu sagen: Ich will sein wie dieser Bär. Der lebt mit seinen Freunden, Esel und Ferkel, im Wald, und Ferkel ist immer ängstlich und Esel immer mürrisch. Aber Pooh, der ist einfach. Das ist buddhistisch. Taoistisch. In diese Richtung muss man denken. Er sagt selbst von sich: „Ich bin ein Bär von einfachem Verstand.“ Ich bemühe mich, so etwas auch von mir sagen zu können.

War das Ende von „Löwenzahn“ ein Schritt in diese Richtung, hin zum buddhistischen Bären? Wie lange haben Sie sich mit dem Gedanken ans Aufhören beschäftigt?
Vielleicht einen Monat.

Nur einen Monat, um etwas zu beenden, das Sie 25 Jahre lang gemacht haben?
Ja. Vielleicht habe ich es vorher auch weggeschoben, mich hingeschleppt und gesagt: „Es muss gehen.“ Wobei es ja eh ein Wunder war, dass ich nach meinen Operationen wieder drehen konnte. Selbst als ich mit meiner Krebserkrankung in der Klinik lag, habe ich mich immer wieder rausgeschlichen, um ein paar Folgen zu drehen. Das war Ende der achtziger Jahre. Das hat mich am Leben gehalten.

„Löwenzahn“ hat Sie also auch ein bisschen gesund gemacht?
Ganz bestimmt. Ich konnte planen und meine Texte schreiben, mich ablenken. Wenn ich einen normalen Job gehabt hätte – ich weiß nicht, ob ich das überlebt hätte.

Sie haben im September 2007 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Wo bewahren Sie es auf?
In meiner Schreibtischschublade. Was soll man sonst damit anfangen?

Es tragen.
Nein. Ich habe dazu keine Gelegenheit. Das Kreuz darf man sich ja nur im richtigen Outfit umhängen und zu einem gegebenen Anlass.

Besitzen Sie einen Smoking?
Nein. Einen Konfirmandenanzug habe ich noch, nur keine Anlässe, ihn zu tragen. Und wenn ich einen hätte, würde ich nicht hingehen, wenn ich mich so verkleiden müsste.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von der Ehrung erfuhren?
Ich habe mich erst gewundert, dann gefreut: „Ist doch hübsch, dass der Herr Köhler findet, dass ich das haben soll.“ Er kannte mich sogar. Ein sehr netter Mensch, sehr sympathisch.

Worüber haben Sie mit ihm gesprochen?
Ich habe gesagt: „Herr Köhler, ich würde ja gerne sehen, dass Sie Kanzler würden. Nun machen Sie mal.“ Da hat er nur gelacht und sagte: „Um Gottes willen, nein.“

Gibt es Situationen, in denen Sie Gewalt befürworten würden?
Ich bin kein Pazifist. Wenn ich angegriffen werde, würde ich mich verteidigen. Auch mit Waffengewalt. Denn ich finde mich einigermaßen wertvoll, und ich möchte am Leben bleiben.

Sie haben kürzlich Ihren 70. Geburtstag gefeiert. Hatten Sie Angst, Sie könnten ihn nicht mehr erleben?
Sehr oft sogar. Das war ja schon Ende der Achtzigerjahre, als auch die Ärzte keinen Pfifferling mehr auf mich gegeben haben. Und mein alter Professor wundert sich immer, dass ich noch lebe. Ich besuche ihn jedes Jahr. Der hat mich damals ein paar Mal operiert in Berlin und mir gesagt: „Herr Lustig, das wird nichts mehr.“ Ich hatte schon ziemlich abgeschlossen. Und er auch. Da haben wir gewettet. Ich sagte: „Wetten, das wird doch.“ Um eine gute Flasche Rotwein.

Haben Sie die Flasche denn auch bekommen?
Nein, aber ich schenke ihm jedes Jahr eine Flasche. Er hat nun mal genial geschnippelt. Es war eine ganz besondere Operation, ich hatte nur noch eine halbe Lunge, ein Loch in der Luftröhre und in der Speiseröhre.

Glauben Sie an Gott?
Glauben liegt mir nicht. Ich glaube, dass die Sonne morgen wieder aufgeht. Aber glauben an eine Macht, die uns führt, ist nicht mein Ding. Aber ich will deshalb nicht sagen, dass ich ein Atheist bin. Also, wenn mich einer fragt, sage ich immer: „Ich bin ein Taoist. Ich bin Pooh.“

Haben Sie Angst vor dem Tod?
Eher vor dem Sterben, nicht vor dem Tod. Der gehört doch mit dazu, wie die Geburt. Nur die Art des Todes, das kann auch schiefgehen. Aber da denke ich jetzt nicht daran. Wir werden ja sehen.

Rauchen Sie noch?
Nein.

Aber damals, nach der Operation, rauchten Sie wieder.
Ja.

Ziemlich unvernünftig . . .
. . . hat der Professor auch gemeint. Aber ich habe mir immer gesagt: „Zweimal kriegt man doch nicht Lungenkrebs.“ Eines Tages hat es mir dann einfach nicht mehr geschmeckt.

Was wären Ihre letzten Worte?
Ach Gottchen, ich bin ja noch nicht tot. Hm, ich glaube, ich würde die Schnauze halten.

Das ganze Leben lang geredet und dann die Schnauze halten?
Ja, soll ich in dem Moment, wo ich mich verabschiede von der Welt, noch irgendwo rumreden? Da bin ich kein Moderator mehr. Ich hätte auch keine Message weiterzugeben. Bloß weil ich auf dem Sterbebett liege, ist die nicht mehr wert.

Was soll denn auf Ihrem Grabstein stehen?
„Wer liegt da?“ Nein. „Jetzt erklärt er endlich mal nicht mehr“, „Jetzt ist er endlich still“. Oder: „Jetzt weiß er alles“. Ja, das ist es! Das ist gut.

Jetzt weiß er alles – bis auf das mit den Frauen . . .
Vielleicht weiß er das dann ja auch.

Waren Sie in der Schulzeit ein Besserwisser?
Oh ja! Das hat sich zwar nicht in den Zensuren niedergeschlagen, aber ich bin einigen Mitschülern auf die Nerven gegangen.

Wen haben Sie noch genervt?
Bis heute meine Frau, die leidet immer noch drunter, dass ich ihr dauernd was erkläre, was sie gar nicht wissen möchte.

Sie waren bei der ersten Folge schon über 40 Jahre alt. Gab es Probleme?
Als der erste Produzent mich sah, sagte er: „Ach, Sie sollen das machen?! Na ja. Na, dann gehen wir erst mal ein Toupet kaufen. Kinder wollen was Jung-Dynamisches“ Und ich sagte: „Nein, ich kaufe mir kein Toupet. Himmel! Ich bleibe so, wie ich bin.“ Und außerdem habe ich nicht eingesehen, warum Kinder immer jung-dynamische Typen haben, weil ich hatte meinen Opa und ein Opa ist was Feines!

Sie sind bei Ihrem Opa aufgewachsen, was war das für ein Typ?
Er war mein Vorbild. Solange ich zurückdenken kann, war der dick, hatte eine Glatze und hat gebastelt. Er hatte tausend Berufe. Er war Steinmetz, Oberstraßenbahnfahrer, Tischler, Spielzeughersteller, Tanzmauszüchter. Ich habe auf seinen Schultern gesessen und ihm zugehört. Viel gesagt hat er nicht, nur: „Guck zu.“ Also habe ich geguckt.

Haben die Frauen Verständnis für Ihre oft unkonventionelle Kleidung?
Ach, ich habe ja meine erste Frau mit zwei verschiedenen Socken kennen gelernt. Sie hat mich dann dazu gebracht, zwei gleiche anzuziehen. Ich habe überhaupt viel durch Frauen gelernt. Diese erste Frau hat mir auch beigebracht, regelmäßig eine Zeitung zu lesen. Impulse, die uns die Frauen geben, sind immer die stärksten.

Hatten Sie jemals richtig Liebeskummer?
Natürlich. Ich bin mal mit dem Auto quer durch den Grunewald hin und her gefahren, die ganze Nacht. Immer mit dem Gedanken: Fährst du nun gegen den Baum oder nicht? So etwas zu überstehen, das gibt Hornhaut auf der Seele.

Wie haben Sie die Frau fürs Leben gefunden?
Gab’s nicht. Das Leben ändert sich doch ständig. Und darum habe ich in meinen drei verschiedenen Phasen des Lebens drei verschiedene Frauen gehabt. Aber noch mal werde ich nicht wechseln. Ich hoffe, meine Frau auch nicht.

Waren Sie denn immer ein guter Vater?
So weit ich eben konnte. In der Zeit, als mein Sohn in einem erziehbaren Alter war, lag ich mehr oder weniger dauernd im Krankenhaus. Also, ich konnte mich gar nicht so drum kümmern, aber ich habe jetzt eine sehr gute Beziehung zu ihm.

Haben Sie ihm jemals eine Ohrfeige gegeben?
Nicht mal im Affekt. Das habe ich nie gemacht. Ich war schon sauer auf ihn. Aber mit Gewalt irgendwas durchsetzen, das hat mir nie gelegen.

Haben Sie bei Ihrem Sohn mal Cannabis gefunden?
Nein. Aber wenn ich ein Tütchen bei ihm gefunden hätte, hätte ich gewusste, dass er das mal probiert oder sich ab und zu mal ein Ding reinzieht, wie wir das früher alle mal gemacht haben und da wäre ich beruhigt.

Peter Lustig hat gekifft?
Sicher. Hin und wieder mal ein Tütchen, ein Haschzigarettchen.

Wir lesen in den Zeitungen immer häufiger von verwahrlosten, sogar von verhungerten Kindern. Brauchen wir eine Art Eltern-Führerschein?
Ja, das wäre toll. Dafür plädiere ich schon seit Längerem. Ein Auto darf man nur fahren, wenn man eine Prüfung gemacht hat. Ein Kind verderben darf jeder.

Was sagt der Umgang mit Kindern über unsere Gesellschaft aus?
Dass sie zerbröselt. Denn wenn die Alten wegsterben, was haben wir denn dann? Die Produkte dieser ungenügenden Erziehung. Da wird kein Wissen mehr weitergegeben, keine Ethik, keine Moral. Und da hilft es auch nicht, an Familien Kindergeld zu zahlen, die sich davon dann einen neuen DVD-Player kaufen. Die Kinder brauchen eine andere Politik, bessere Schulen, bessere Bildungsmöglichkeiten. Früher hatte man eine dufte Großfamilie, da war ein Rahmen da. Heutzutage ist der Rahmen flöten gegangen.

Macht Sie das wütend?
Nein. Trauer und Resignation trifft es besser. Denn was soll aus einem Staat werden, in dem die Menschen in ihrem Privatleben nicht mehr funktionieren? Darum bin ich froh, dass ich in ein paar Jahren nicht mehr da bin.

Interview: Detlef Dreßlein / Tim Gutke

QUELLE (http://www.cicero.de/97.php?ress_id=7&item=2798)

Finde ich ein interessantes Interview. Der Typ scheint einen an der Waffel zu haben, aber er hat interessante Ansichten und Einstellungen zum Leben. Ich mag ihn immer noch ^^

DeathAngel
27.09.2008, 14:30
Wieso hat er einen an der Waffel ? Gut die Löwenzahnfolgen waren ein wenig verrückt manchmal,a ber das war ebend die Rolle... ich finde das Interview klingt eigentlich recht vernünftig... Bis auf den Winnie Puh Kram, aber das Buch kenn ich ja net :D

vincentI
27.09.2008, 15:49
ich find den scheisse und das da oben untermauert das ganze nurnoch ... arschloch eben.

luhmän
29.09.2008, 22:30
:D:D:D: ich muss grad schmunzeln ^^

also ich mag den kerl und find sein interview cool

DeathAngel
29.09.2008, 23:47
Er sieht halt das Leben nicht so ernst wie Nic :D

vincentI
30.09.2008, 19:59
kann sein, vll auch nicht, ich find ihn halt unsympatisch, schluss aus.